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Betriebskostenabrechnung: ein vollständiges Rechenbeispiel

Vom Gesamtbetrag zum Anteil des Mieters — mit Leerstand und Mieterwechsel · Stand: September 2026

Worum es hier geht: nicht um Fristen und Formvorschriften — die stehen in Nebenkostenabrechnung: Frist, Form und die vier Pflichtangaben. Hier wird gerechnet, an einem vollständigen Beispiel mit Mieterwechsel und Leerstand.

Das Beispielobjekt

Ein Mehrfamilienhaus mit drei Wohnungen, insgesamt 250 m² Wohnfläche. Abrechnungszeitraum ist das Kalenderjahr 2025.

EinheitFlächeBelegung 2025
Wohnung 1100 m²Familie Ahrens, ganzjährig
Wohnung 2 80 m²Herr Baum bis 30.06., Frau Cimen ab 01.08.
Wohnung 3 70 m²ganzjährig leer

Schritt 1: die Gesamtkosten je Art

Erfasst wird, was im Zeitraum angefallen ist, getrennt nach den Arten des § 2 BetrKV. Nur was dort steht (oder als „sonstige Betriebskosten“ ausdrücklich im Mietvertrag vereinbart ist), darf umgelegt werden.

BetriebskostenartGesamt 2025Schlüssel
Grundsteuer1.400,00 €Wohnfläche
Wasser und Entwässerung1.850,00 €Wohnfläche
Müllbeseitigung 720,00 €Wohnfläche
Gebäudereinigung 960,00 €Wohnfläche
Sach- und Haftpflichtversicherung 830,00 €Wohnfläche
Schornsteinreinigung 240,00 €Wohnfläche
Summe kalte Betriebskosten6.000,00 €

Heizung und Warmwasser fehlen hier bewusst. Sie folgen der Heizkostenverordnung: mindestens 50, höchstens 70 Prozent müssen nach Verbrauch abgerechnet werden, und bei einem unterjährigen Mieterwechsel verlangt § 9b HeizkostenV grundsätzlich eine Zwischenablesung. In der Praxis liefert der Messdienst diese Aufteilung fertig; sie wird dann als eigener Posten übernommen.

Schritt 2: der Verteilerschlüssel

Steht im Mietvertrag nichts anderes, wird nach Wohnfläche verteilt (§ 556a Abs. 1 BGB). Der Kostenanteil je Quadratmeter beträgt:

6.000,00 € ÷ 250 m² = 24,00 € je m² und Jahr

Schritt 3: die tagegenaue Aufteilung

Wohnung 1 ist einfach: 100 m² × 24,00 € = 2.400,00 € für das ganze Jahr.

Wohnung 2 trägt insgesamt 80 m² × 24,00 € = 1.920,00 €. Diese Summe wird auf die Bewohner nach Tagen aufgeteilt — nicht nach vollen Monaten, denn ein Februar hat weniger Tage als ein Juli:

ZeitraumTageAnteilBetrag
Herr Baum, 01.01.–30.06.181181/365952,11 €
Leerstand, 01.07.–31.07.3131/365163,07 €
Frau Cimen, 01.08.–31.12.153153/365804,82 €
Summe Wohnung 23651.920,00 €

Schritt 4: der Leerstand

Wohnung 3 stand das ganze Jahr leer: 70 m² × 24,00 € = 1.680,00 €. Dazu kommen die 163,07 € aus dem leeren Juli in Wohnung 2. Zusammen 1.843,07 €.

Diese Kosten trägt der Eigentümer. Sie auf die übrigen Mieter zu verteilen, ist unzulässig und macht die Abrechnung angreifbar. Weisen Sie den Leerstand offen aus — das ist kein Eingeständnis, sondern der Beleg dafür, dass die Rechnung aufgeht.

Schritt 5: die Probe

Bevor Sie das Schreiben erzeugen, prüfen Sie eine einzige Zahl: ergibt die Summe aller Anteile wieder die Gesamtkosten?

2.400,00 € + 952,11 € + 804,82 € + 1.843,07 € = 6.000,00 €

Geht die Probe nicht auf, stimmt der Schlüssel nicht — meistens, weil eine Wohnfläche fehlt oder doppelt gezählt wurde. Eine Abrechnung, die um ein paar Euro danebenliegt, sieht plausibel aus und ist trotzdem falsch.

Schritt 6: Vorauszahlungen abziehen

Erst zum Schluss wird verrechnet, was der Mieter im Zeitraum schon gezahlt hat. Familie Ahrens hat monatlich 180 € Vorauszahlung geleistet, also 2.160 € im Jahr:

2.400,00 € − 2.160,00 € = 240,00 € Nachzahlung

Bei Herrn Baum sind es sechs Monate zu 150 €, also 900 €: 952,11 € − 900,00 € = 52,11 € Nachzahlung.

Vier Angaben müssen im Schreiben stehen (§ 259 BGB, ständige Rechtsprechung): die Gesamtkosten je Art, der Verteilerschlüssel mit einer verständlichen Erläuterung, der auf den Mieter entfallende Anteil und der Abzug der Vorauszahlungen. Fehlt eine davon, ist die Abrechnung formell unwirksam — und die Nachforderung damit nicht fällig.

Und die Frist

Die Abrechnung muss dem Mieter binnen zwölf Monaten nach Ende des Abrechnungszeitraums zugehen (§ 556 Abs. 3 BGB). Für das Kalenderjahr 2025 heißt das: bis zum 31. Dezember 2026, und zwar zugegangen, nicht abgeschickt. Danach ist eine Nachforderung ausgeschlossen — ein Guthaben müssen Sie trotzdem auszahlen.

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Dieser Beitrag informiert allgemein über die Rechtslage (Stand: September 2026) und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder eine Rechtsanwältin. · Zetaro · Impressum · Datenschutz · Verträge hier kündigen